Nach 37 Jahren in den Ruhestand

 

„Tja – was soll ich sagen? Ich bin einfach dem Charme der Mess- und Regeltechnik erlegen“, sagt Elmar Staudt, „und das hat bei mir irgendwie ganz früh angefangen.“ Er ist heute, nach 43 Berufsjahren, Techniker der Mess- und Regeltechnik bei der thyssenkrupp Rasselstein GmbH in Andernach. Richtig müsste es eigentlich heißen, dass er Experte Messtechnik für die „Teams Entfetten/Glühen/Durchlaufglühen“ ist.

Die thyssenkrupp Rasselstein GmbH ist Deutschlands einziger Weißblechhersteller. Am weltweit größten Produktionsstandort für Verpackungsstahl produzieren sie in Andernach verzinntes oder spezialverchromtes Feinstblech für beispielsweise Lebensmitteldosen oder Aerosolverpackungen.

Qualität wird bei den Produkten der thyssenkrupp Rasselstein GmbH ganz groß geschrieben und ohne präzise und zuverlässige Online-Messsysteme ist eine 100%ige Qualitätskontrolle heute nicht mehr möglich.

Staudt überwacht hauptsächlich die Durchlaufglühöfen 3-5 und an der Nr. 3 da gab es Anfang des Jahres einiges zu tun. Die beiden Dickenmesser am Abwickelteil des Durchlaufglühofens Nr. 3 taten seit 37 Jahren treu ihren Dienst. Staudt: „Aber die waren natürlich mittlerweile in die Jahre gekommen.“ Ursprünglich waren die Dickenmesser sogar noch von der Hartmann & Braun AG geliefert worden, aus der die IMS Messsysteme GmbH hervorgegangen ist und die Techniker aus Heiligenhaus hatten 1981 die letzte Anpassung vorgenommen.

Im Februar 2016 lieferte die IMS mit kurzer Lieferzeit ein neues, speziell auf den zur Verfügung stehenden Platz angepasstes Messsystem an den Weißblechhersteller aus Andernach. Die beiden neuen Isotopendickenmessungen in den beiden Ebenen des Abwickelteils am Durchlaufglühofen Nr. 3 wurden in einem neu designten E-Messbügel integriert. „Für IMS war das kein Problem“, bestätigt Staudt bewundernd.

Vor dem Einbau der modernen Dickenmesser konnten sich die Techniker von thyssenkrupp im Prüffeld der IMS in Heiligenhaus davon überzeugen, wie das Messsystem später arbeiten wird. Und die IMS sei bei der Montage und anschließender Inbetriebnahme in Andernach auch noch einen Tag früher fertiggeworden als geplant. „Also, so einen Service sucht wirklich seinesgleichen“, sagt Staudt überzeugt und bewundert das neue Messsystem.

 

Der lange Weg vom mechanischen Relais zur hochmodernen Messanlage

Bereits Ende der 70er Jahre war der Durchlaufglühofen Nr. 3 gebaut worden und seinerzeit einer der ersten überhaupt in Europa. Elmar Staudt erinnert sich noch genau: „Die ersten vierzig bis fünfzig Meter eines Coils wollten wir dem Kunden nicht geben, sie entsprachen schon damals nicht unseren Anforderungen. Mit Hilfe der Isotopen-Dickenmesser im Abwickelteil konnten wir aber dann unsere Dickentoleranzen überwachen.“

„Also, so einen Service sucht wirklich seinesgleichen“,

sagt Staudt überzeugt und bewundert das neue Messsystem.

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Apropos Isotopen – die verwendeten Americium-Isotopenstrahler haben eine Halbwertzeit von rund 432 Jahren. „Wir hätten die also noch mehrere hundert Jahre verwenden können“ bewertet Staudt schmunzelnd die Isotopenstrahler. Aber – das Bundesamt für Strahlenschutz überprüfe jedes Jahr die Messanlage. Nach mehr als dreißig Jahren war die Dichtigkeit der Isotopenkapseln schließlich nicht mehr auf Dauer gegeben. Bei der Überprüfung der Messanlage durch das Bundesamt für Strahlenschutz war Elmar Staudt regelmäßig beteiligt, denn er ist schließlich auch  „Strahlenschutzbeauftragte Kat. B“: „Sie können mir glauben – das nehme ich sehr ernst“, sagt er jedem, der nach seinen Pflichten fragt.

Er ist stolz auf die Produktionsanlage „D-Ofen 3“ mit den neuen Dickenmessstellen.
„Hut ab vor dem, was IMS geleistet hat“, sagt er bewundernd, „eine solche Projektabwicklung wünscht man sich.“

Vieles sei heute einfacher geworden, da jetzt alles in Modultechnik gefertigt würde und bessere und schnellere Diagnosen an den Messsystemen möglich seien.

Als Elmar Staudt mit seiner Ausbildung bei Rasselstein, im Jahre 1973, angefangen hatte, war an einen solchen „Komfort“ noch nicht zu denken. „Das klapperte noch hörbar, wenn die mechanischen Relais schalteten.“ So war der Name seines erlernten Berufes auch zwischen Mechanik und Elektro – eben der Elektromechaniker. 1 Jahr später änderte sich dann auch schon das Berufsbild und die Mechanik trat mehr in den Hintergrund. Staudt war jetzt „Nachrichtengerätemechaniker“ und daraus wurde dann der „Informationselektroniker.“ Elmar Staudt bildete sich immer weiter und schließlich, so sagte man ihm: „Ein Elektriker, der einen Motor anschließen kann, der kann auch Messtechnik.“ Ein weiter Weg von den klackenden Relais zum Techniker und Strahlenschutzbeauftragten Kat. B.

Aber jetzt konzentriere er sich erst einmal auf die neue Carrera-Bahn für seinen zweiten Enkel: „Da wird auch ordentlich gemessen und geregelt.“ Er ist halt mit Leidenschaft Mess- und Regeltechniker.